szmmctag

Archiv der Einträge: April, 2011
  • Royal Wedding Sick Bag

    Eine Kotz-Tüte haben unsere Kollegen direkt aus England mitgebracht.
    Sie müsse heute immer zur Hand liegen.

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    Nun kann nichts mehr schiefgehen.

    (Eine Idee der britischen Künstlerin Lydia Leith)

    Hier Bericht von BBC:

  • Merzmensch eats an Easter Bunny

    §1. Andy Warhol Hamburger. (LINK)
    §2. Merzmensch Santa Claus als Homage auf Andy Warhol, der Hamburger aß. (LINK)
    §3. Merzmensch Osterhasen, als Homage auf Merzmensch, der Santa Claus aß, als Homage auf Andy Warhol, der Hamburger aß. Und das - in Hamburg.

    Frohe Ostern!

  • Mitarbeiter 5129

    Ich und meine Kollegen bekommen neulich jede Menge Spam-Mails über eine angeblich günstige Krankenkasse. Diese Mails (der Authentizität halber???) fangen alle ungefähr so an:

    Guten Tag, Mitarbeiter 5129

    Diese Amateure, sie hoffen, wir werden auf diese Nummerierungsmasche drauffallen.
    Die Spam-Versender beweisen damit die eigene Unproffesionalität und herausragende Inkompetenz.
    Die wissen doch gar nicht, wie wir nummeriert werden. Ich zum Beispiel:
    #1291Q.12.a/12/VII-12gDb/175-18-402-MdJ/AAg-15-527882629.

  • Mysterien des Lebens.

    Ein weiteres Mysterium dieses Universums wurde heute gelöst.

    Ich habe mich schon immer gefragt,
    wieso,
    wenn zwei Handwerker die Treppe
    hinuntersteigen, und mich sehen,

    *und ich sie grüße*

    wieso
    stets nur der erste antwortet,
    der zweite jedoch schaut mich an und schweigt (als wär' er stumm).

    Und das in variablen Konstellationen (es gibt so viele Handwerker in dieser Welt).
    Und das schon oft, als ob seit Weltenanfang.

    ???

    Doch meine Frau half mir auf die Sprunge:

    Es ist gar einfach: sie alle sprechen unisono.

  • Xenophobie der Toleranz

    Und wenn die Welten untergehn,
    Bleibt Onkel Heini doch bestehn,
    Denn unser braver Onkel Heini
    Hat immer noch die krummsten Beini.
    Schwitters

    © Pro7 © 2011 SevenOne Intermedia GmbH - alle Rechte vorbehalten

    Ich weiss, ich bin schon zu spät, denn die Toleranz ist längst vorbei. 'S ist fast eine ganze Woche her.
    Ja, meine Lieben, letzte Woche hat der TV-Sender Pro7 ein Experiment namens "Tolerance Day" veranstaltet.

    Das schon wirft mindestens zwei Fragen auf:

    1. ist unsere Gesellschaft noch so mittelalterlich, dass sie für Tolerance einen speziell eingerichteten Day braucht?
    2. (falls unsere Gesellschaft so mittelalterlich ist:) reicht ein Tag wirklich aus?

    Tatsächlich, Intoleranz ist eine markante Begleiterscheinung unserer Gesellschaft.
    Sie beginnt sehr früh, und zwar so:

    Kind. Mama/Papa, guck mal, was für dicken Bauch hat der Onkel da!
    Eltern. Sei still, Kind, sag doch sowas nicht.
    Kind. Aber warum? Der hat doch einen komischen dicken Bauch, siehst du das denn nicht?!
    Eltern. Sowas sagt man nicht in der Gesellschaft. Wenn er das hört, dann wird er bestimmt sehr traurig sein.

    Und so konzentriert sich das Kind=>Teenager=>Jugendlicher=>20-Jähriger=>Familien-Gründer=>Midlife-Crisis=>[etc.] auf dem Schweigen über den dicken Bauch jenes Onkels. Political Correctness über alles. (Denn jener dicke Bauch ist doch so doof gewesen, nicht wahr?)

    Doch wäre es denn nicht konstruktiver, dem Kind zu sagen:

    Na und? Was ist denn daran so komisch? Spielt es denn eine Rolle, dass er einen dicken Bauch hat?

    ???

    Jedoch statt dem Kind durch die paradoxe Antwort eine selbstreflektive Weltwahrnehmungshaltung beizubringen, übt man es schon sehr früh in der Weltkunst Political Correctness.

    Denn wissen Sie, ich habe ein Problem mit Political Correctness. Aber keineswegs, weil es verlogen oder heuchlerisch sei, wie manch einer behauptet. Nein, eher umgekehrt. Political Correctness ist wie ein Fassadenvorhang vor einem Haus in der Renovierungsphase.

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    Er hängt nur da, um die von Bauarbeiter verunstaltete Fassade kurzzeitig zu verstecken, und eines Tages wieder das Haus in aller Frische der Welt zeigen zu können.

    Political Correctness ist lediglich dazu da, während unsere Gesellschaft sich unterwegs zu einem zivilisierten und aufgeklärten Zustand befindet, sich selbst den Weg durch die eigene Mittelalterlichkeit ad astra nicht zu versperren.

    Natürlich, wenn man aber die Renovierung des Hauses aufgibt, weil sie zu teuer ist, (Man muss heutzutage überall sparen!) und weil man sowieso bereits diesen schicken Fassadenvorhang hat (kann ja auch hängen bleiben) - da bleibt man [sich und andere belügend] in der eigenen Entwicklung für immer im Sumpfe stecken. In einem Simulakrum der Aufgeklärtheit und der geistigen Schönheit.

    Was hilft besser der Verständigung zwischen Vertretern verschiedener Kulturen als die eigene Offenheit, als Befreiung von Stereotypen, als Bereitschaft, das Unbekannte zu erfassen und das Unvertraute zu entdecken, indem man die Tatsache in Kauf nimmt, dass vielleicht die eigenen Vorstellungen dadurch über den Haufen geworfen werden könnten?

    Doch was macht Pro7 daraus?

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    © Pro7 © 2011 SevenOne Intermedia GmbH - alle Rechte vorbehalten

    Pro7 kultiviert weiterhin unbetrübt die Stereotypen, weil es so wohl dem Zuschauer verständlicher erklärt werden kann. Man setzt ja kein Vertrauen in das Publikum.

    Und ich frage mich: wieso "Enjoy difference"? Indem man das Andere als das Andere wahrnimmt, baut man bereits  eine Mauer. Statt zu verstehen, dass es nichts Anderes gibt? Dass jeder von uns ein Anderer und gleichzeitig Teil des Ganzen ist (pars pro toto)?

    Wenn man aber den Unterschied geniesst, dann schenkt man dem Unterschied die eigene Aufmerksamkeit, und so gibt es diesen Unterschied erst recht, doch ist die Aufmerksamkeit zu dem Unterschied nicht ein Teil der eigenen Wir-Integrations-Abtrennung von der globalen Kultur? Zurück in eine lokalpatriotische Provinz?

    Auch wenn der Vorsatz von Pro7 durchaus zu begrüssen wäre - Beseitigung der xenophoben Missstände, die in unserer Gesellschaft noch sehr tief verwurzelt sind, - doch die Realisierung? Wieso diese Stereotypen und pseudo-nationalen Klischees?

    Es entsteht das Gefühl, als wären die Herrschaften von Pro7 von Vorwürfen geplagt, sie seien nicht gesellschaftstauglich genug. Sie gehen dann zu einer Werbeagentur ihrer Wahl und beauftragen sie, etwas politisches zu machen. Und Political Correctness sells.

    LÖSUNGSVORSCHLAG

    Statt mit Stereotypen zu spielen, müsste man die Stereotypen brechen: indem man beispielweise mehr internationale Filme zeigt, und zwar nicht nur am Tolerance day, sondern das ganze Jahr über, und nicht nach 23:00, sondern zu PrimeTime. Aber da hat man ja wieder diese Ur-Angst vor den Quoten, man zeigt lieber die gleichen US-Blockbuster mit hohem Wiedererkennungswert immer und immer wieder. Denn Toleranz ist zwar schön und gut, aber wenn's ums Geld geht, dann ist Schluss mit lustig.

    So manifestiert man die angebliche Toleranz an einem bestimmten Termin mit Tamtam und grossen Fahnen, man hackt es liturgisch ab:

    ach, sind wir doch alle so weltoffen und tolerant, meine Damen und Herren! Weiter geht es nach der Werbungspause.

    Man konzentriert sich narzisstisch auf sich selbst, denn es geht ja immer nur noch um uns. Man zelebriert sich in eigener Selbstgefälligkeit. Man bleibt ein Monster.

    Man spricht über Toleranz - doch impliziert dieser Begriff nicht etwa bereits jene klaffende, wachsende Distanz zwischen sich selbst und dem Anderen? Ist Toleranz nicht Synonym zu "Duldung"?

    Ist der Begriff "Toleranz" etwa nicht selbst xenophob?

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  • Summelsarium

    Jetzt bin ich öffiziell Mitglied der Frankfurter Gemeinen Zeitung!

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    Und ich schreibe dort als Merzmensch (wie auch sonst?). Es wird auch einiges geplannt, so dass jetzt das Kultur-Äkschn so richtig vorangehen wird!

    ***

    Sie haben bestimmt über Interview Project von David Lynch gehört - er fuhr mit einem Filmteam quer durch USA und Canada und filmte völlig zufällige Menschen, indem er ihnen einen Fragen-Set stellte: welche Träume haben sie, wofür sind sie in ihrem Leben stolz etc. Und so wurden die random people zu einem Mysterium entfaltet.

    Nun war sein Sohn unterwegs in Deutschland - mit dem Interview Project Deutschland. Besonders interessant fand der Film-Team die immernoch spürbare Unterschiede zwischen West und Ost - tief in den Seelen der befragten Zufälligen.

    Und das Wunderbare war und bleibt diese Einzigartikeit des Persönlichen, denn der langeweilige Typ nebenan hat auch Hintergründe, Ambitionen, Hoffnungen,

    Faszinierend, diese Videos! Hier nur ein Beispiel:

    http://www.interviewproject.de
    ***

    Und dann, vielleicht wissen Sie es schon, aber der chinesische Künstler Ai Weiwei (über den ich bereits berichtete), ist in China wegen "finanziellen Kriminalität" verhaftet worden. So nennt man das heutzutage.

    Aber wie Martin Roth, der Organisator der deutschen Austellung "Die Kunst der Aufklärung" in Peking dazu in der Zeit äußerte:

    Der ist ja bei den Medien vor allem nicht zuletzt deshalb so beliebt, weil er ständig draufhaut. Furchtbar natürlich, dass er verhaftet wurde. Aber warum sind alle so auf ihn fixiert? Es gibt Hunderte Künstler wie ihn, über die spricht aber keiner, weil sie keine Popstars sind.

    Ja, wenn all diese Namen bekannt wären? Vielleicht kann ja Herr Roth dazu beitragen? Es geht ja schliesslich um Aufklaerung. Gute Nacht.

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  • Internationale Schwitters-Tagung. Teil 7.

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    Es wurde an der Schwitters-Tagung viel über den ALL-um-fassenden Charakter von MERZ berichtet. Oliver Ruf, der Herausgeber von Hugo B-all, nimmt das All-Umfassende unter die Lupe.

    Er zeigt anhand von Bataille, Latour und Foucault, dass der Diskurs über die mediale Verbindungen weitaus tiefgreifender ist, denn Schwitters gelingt es mit MERZ,

    eine Transmedialität = das Durchdringen der Medien im Moment der Rezeption,
    mit der Beteiligung des Rezipienten

    zu erreichen. (Rechtsweg ausgeschlossen)

    Oliver Ruf bezieht sich dabei - zusammen mit Latour - auf einen Begriff aus der Genetik, "Crossover", und das, meine Damen und Herren, IST MERZ. Denn so wie die Chromosomen ihr Material austauschen, so tauschen die Gegenstände auf den MERZ-Bildern ihre Eigenschaften, und werden "gegeneinander gewertet".

    Denn, wissen Sie, werte Leser, MERZ ist wie diese Kaffeetasse auf meinen Tagungsnotizen:

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    Zunächst ist alles vom allen getrennt.
    Doch: kippe ich die Tasse um, nennen wir diesen Vorgang einfachheitshalber

    ǝssɐʇ

    dann werden meine Notizen und Gedanken mit dem Kaffee und aufgelöster Tinte und Umweltpapier vermischt, es wird sozusagen ein gegenseitiges Durchdringen herrschen, oder: Transmedialität. Und zwar im Moment meiner Rezeption aller Bestandteile (Tagung/Notizen/Kaffee). Das Gleichgewicht bleibt dabei erhalten, es sei denn ich werde freundlicherweise aus der Tagungshalle gebeten.

    Also (zum Auswendiglernen):

    MERZ ist mehr als eine Verbindung der Medien, es ist deren gegenseitiges Durchdringen, das VerMERZen, Crossover. Der Zuschauer wird dabei mit-bedacht und mit-einbezogen.

    ***

    Last but not least referierte Thomas Keith über Schwitters' Alphabet-Gedichte als intermedielles Experiment. Thomas Keith forscht übrigens im Bereich der Berührungspunkte oder Typologien der russischen und europäischen Avantgardisten

    AVANTGARDE
    └АВАНГАРД┘

    Mayakovsky_1929_avor allem in der Gileja-Gruppe (Majakovskij [siehe rechts] u.a.).

    Das ist wunderbar, denn ich schreibe ja auch über europäische und russische Avantgardisten (Oberiu-Gruppe in meinem Fall), und es ist schön zu wissen, dass man nicht alleine sich mit solchen Typologien beschäftigt. Ach, und Thomas Keith wurde bereits auch in Perspektive veröffentlicht.

    Doch nun zum Alphabet - nach einer faszinierenden historischen Einführung verdeutlichte Thomas Keith, dass man die Alphabet-Experimente bereits seit Jahrhunderten betreibt - die alten Griechen taten's, die Autoren von Abecedarium Normannicum, und dann W. Busch - sie alle haben mit Alphabet experimentiert, sei es künstlerisch, lehrend oder moralisierend.

    Und tatsächlich - fängt man an, sich mit Alphabeten zu beschäftigen, hört man nimmerwieder auf. Das habe ich empirisch nachgewiesen.

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    Schwitters auch, in seinen Alphabet-Texten. Zum Beispiel hier:

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    Hier werden Materialien antihierarchisch entformt - ganz im Sinne der Merzkunst, wo ein Buchstabe gleichwertig ist mit Wort/Satz/Text.

    Wollense behaupten, die Buchstaben sind im MERZ-Werk dem Inhalt unterordnet?
    Dann irrense sich.

    Also:
    wenn, wie einige Theoretiker behaupten:

    Alphabet => Rationalisierung,
    mythisches Denken => logisches Denken

    dann, wie Avantgardisten es anvisieren:

    Avantgarde => Antirationalismus
    Alphabet => mythisches Denken durch Neu-Werten

    Und das merkt man bereits bei Alphabet-Texten.

    Das was als reine Liste der Schriftzeichen präsentiert wird, bekommt auf einmal Form und Macht über den Leser, und der Leser fängt an zu erkennen.

    Doch das Erkennen ist keineswegs nur das des ratio. Denn die Buchstaben des Alphabets faszinieren den Leser derart, dass er, in ihre Bahn gefangen, sieht so Sachen. Schauen Sie doch auf die Schwitters-Beispiele: was alles können Sie dort erkennen, ausser ARP/RAU/SAU?.. (Bitte um Kommentare)

    Alphabet, für das Ordnen des Ungeordneten gedacht, wird auf einmal zum Irrationalen!

    So werden die Alphabet-Segmente zur Poesie. Und ratio wird mit emotio verschmolzen - verMERZt.

    Das passiert bei der Rezeption AUTOR<=>LESER.

    Aber was passiert, wenn man diese Alphabet-Texte VORliest, statt einfach zu lesen? Zurück zu Ratio? Auch, wenn mit viel Emotio?

    Schauen wir beispielweise Nowi, den Schlagzeuger aus der Musikgruppe Silbermond, der Schwitters' "Alphabet rückwärts" rezitiert (und dafür wächst nun auch mein Interesse für Silbermond).

    Merken Sie was? "Zet, Ypsilon"... das Vortragen ist reduziert auf die Vortragssprache des Vortragenden (hier: Deutsch)! Das Lesen ist aber unabhängig von der Lesekenntnissen des Lesenden (hier: lateinisches Alphabet)!

    Und im Englischen wird es so klingen (als ein Kinderlied, aber nicht von Schwitters)

    Oder so (und hier ist der Vortragender dazu regelrecht gezwungen, um somit beim Promille-Test zu beweisen, dass er nicht betrunken am Steuer sass, was er in 15 Sekunden schafft, und die Polizeibeamtin zum Erstaunen bringt [Mit Tanzeinlagen])

    Und man stellt zum wievielten Male wieder fest:

    Schwitters hatte schon wieder recht gehabt.

    Besonders in seiner Omni-Materialität. Was diese wunderbare Schwitters-Tagung bewiesen hat. Nun kann's nur noch materieller werden: in Form einer kompletten Texte-Edition von Schwitters. Wir warten darauf.

    Und nach der Tagung hatte ich ein weiteres grossartiges Erlebnis: ich habe Trithemius getroffen und hatte die Ehre, mit Meister sprechen zu können. Und er wusste wie immer über alles Bescheid, denn auch zu diesem Thema (Schwitters und Alphabet-Gedichte) hat er Lesenswertes geschrieben. Hat mich sehr gefreut.

    Ich bedanke mich bei den werten Lesern für und so weiter.

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