Лучше гор могут быть только горы.
Nichts ist besser als Berge, ausser Berge

Unvollständiges Zitat von V.Vysockij

and just like that, the tension brakes /// Franziska von Stenglin

Dass in der Kunstplattform "Sarai" etwas mit Dimensionen nicht stimmt, habe ich bereits mehrfach erwähnt. Mal erlebt dort die Natur ihre Wieder-Genese, mal beisst die Wand den Zuschauer.

Diesmal wurde die Dimension komplett gesprengt - Franziska von Stenglin liess hier Berge entstehen.

In Rahmen - und ohne, in Reihen - und frei - schweben an weissen Wänden italienische Alpen.

Ein Berg-Wanderer braucht eine Karte, so war auch der Text des Professors an der Städelschule Simon Starling sehr hilfreich auf dem Weg durch eine Escher-esque Verschachtelung der Wirklichkeiten. Denn diese vor dem Eingang ausgelegte "Mind"-Map durch die Innen- und Aussenwelt (die Grenzen fliessend) führte durch die Installation mit den hier präsentierten Aufnahmen.

Und Escher (oder eher Borghes?) scheint hier wirklich am Werk gewesen zu sein. Schauen Sie doch lieber selbst:

Italienische Alpen

Franziska von Stenglin nimmt die Alpen auf

Es entsteht in einem italo-alpinischen Bahnhof eine Installation mit diesen Aufnahmen

Diese Installation wird wiederum aufgenommen.

Zu den Aufnahmen wird ein lyrischer, subtiler, traum-artiger Text von Simon Starling geschrieben.

Die Aufnahmen der Installation mit dem Text werden in Sarai präsentiert - als eine Installation

Die weiteren Verschachtelungen können Sie, werte Leser, leicht aufstellen - denn Sie sind da mit einbezogen. So wie ich es war, der mich im Text von Simon Starling - und dann in der Installation von Franziska von Stenglin erkannte. Auch wenn ich es nicht war.

"She thinks of the artist from just down that same valley who photographed himself in mirror-finish contact lens."

War ich es ein Zufall? Doch lassen wir mich, Merzmensch tut nichts zur Sache.
Denn hier sprengen die Berge die Rahmen. Konventionelle Rahmen werden gleich gesprengt. Ungefähr so.

Berge verlassen Rahmen und gehen unter Leute

Alle Photoaufnahmen sind in Handarbeit entstanden, erklärt die Künstlerin. Keine Digitalisierung, alles selbst entwickelt, in diesen riesigen Formaten. So dass man praktisch das Haptische spüren kann.

Und wenn die konventionelle Rahmen gespreng sind, bleiben doch die originelle Rahmen Unikate: speziell gefertigt, eine Kombination aus Eisen, Glas und stabilen Schrauben, die die Berge durchzudringen scheinen. Als ob man die Berge so gefangen nehmen kann.

Doch in der Wirklichkeit sind wir es, die von den Bergen durch Schrauben und Glas isoliert werden. Und nur wenige von uns - wie beispielweise die Künstlerin selbst (auf dem Bild) hat diese Berge haptisch erfahren.

Und während wir hier bei Glas Wein und Stück Brot über die Berge in unserer imaginären Sphäre sinnieren, sind die Kolosse irgendwo dort, draussen, weit weg, wo die Zeit stehenbleibt.

Und doch so nah.

Kunststeckbrief

Was: and just like that, the tension brakes / Franziska von Stenglin
Wo: Platform SARAI, Schweizer Str. 23 HH, 60594 Frankfurt am Main
Wann: 01.02.-01.03.2011
Medien: http://nichewo.net/
http://franziskastenglin.com
Mehr Photos von der Vernissage