szmmctag

Archiv der Einträge: Juli, 2010
  • Erste Pizza in Nordkorea.

    Die Nachricht ist schon alt, aber in der Nordkorea wurde scheinbar die erste Pizzeria geöffnet. Das berichtete BBC am 16. März 2009.

    Kim Jong-il schickte dafür speziell nach Napoli und Roma mehrere Offiziere-Pizzabeauftragten. Italienischer Koch Ermanno Furlanis reiste eigens nach Nordkorea und gab mit seinem Chefkoch und anderen Kollegen Pizzaunterricht. Erlaucht Kim Jong-il geruhte sogar einmal höchstpersönlich vorbeizukommen. Sig. Furlanis beschrieb diese Begegnung (bei der er leider nicht persönlich dabei sein konnte) folgendermassen (Übersetzung - Merzmensch).

    "Ich kann zwar nicht behaupten, es sei Kim Jong-il selbst gewesen, aber unser Chefkoch, der keinen Grund hat, zu flunkern, war im Laufe mehrerer Minuten absolut sprachlos [...]. Er sagte, er habe das Gefühl gehabt, Gott höchstpersönlich erblicken zu haben, und ich beneide ihn bis jetzt ob dieser Erfahrung."

    ???

    UPDATE. Bei phreak20 habe ich eine wunderbare Kunstaktion des Südkoreaners Hwang Kim entdeckt: eine Pseudodokumentation über die Zubereitung von Pizza, speziell für Nordkorea aufgenommen.


    (Source: http://www.we-make-money-not-art.com)

    http://www.we-make-money-not-art.com/archives/2010/07/pizzas-for-the-people.php

    Der Künstler erstellte 500 DVDs, lies sie nach Nordkorea schmuggeln und auf dem Schwarzmarkt verkaufen.


  • The Machine

    The Machine from mudlevel on Vimeo.

    via phreak20

  • Eine "feine" Korrektur.

    Tjaja, Wien: Cafés, Canetti, Freud.  Und natürlich die Bäder. Diese wunderbaren Bäder. Jetzt ohne Stereotypen, die wir damals reichlich aufgelistet hatten, in Kommentaren.

    Denn, wie Dirk Schümer (FAZ) entdeckte, präsentierte sich ein Nobles Wiener Freibad auf der Webseite wien-konkret folgendermassen:

    Publikum: viele Schwimmsportler, exklusive Preise - exklusives Publikum, geringer Ausländeranteil (ein paar Franzosen, Italiener, Russen)

    Nun, hat wien-konkret seinen politisch unkorrekten Fehler bemerkt und sich beispielhaft verbessert. Besucht man die Seite jetzt, so steht dort:

    Publikum: viele Schwimmsportler, exklusive Preise - exklusives Publikum, hoher Inländeranteil (ein paar Franzosen, Italiener, Russen)

    Merken Sie den Unterschied?

    Tja, es geht wie immer nicht um den Content, sondern um die Ausdrucksformen. Der Inhalt bleibt der gleiche... Weil die Sprache viel flexibler ist als die Köpfe.


  • Jane McGonigal und die Macht des Spiels

    240px-Jane_McGonigal_-_Foo_Camp_2008Das Leben ist ein Spiel.

    Das hat mehrfach Jane McGonigal bewiesen. Die Leser meines ARG-Blogs kennen bereits diese einzigartige Person. Sie beschäftigt sich mit Spielen - im Leben, als Kulturbestandteil, als Wissenschaft. Auch Ihre 573-Seitige Dissertation trägt den Namen "This might be a game", zu finden auf ihrer Homepage.

    http://avantgame.com/

    Ihre Spiele nennt man "Serious Games" - sie sind mehr als nur pure Unterhaltung. Sie verbinden Menschen, und lassen sie nachdenken, aber nicht auf eine didaktische Art und Weise, sondern immer - spielerisch.

    Auf der TED-Konferenz hat sie die unendliche Kraft des Spiels hervorgehoben, und zwar gerade bei der Gruppe, die hierzulande so kritisch und skeptisch angesehen wird: die PC-Zocker, die stundenlang vor ihren Computern verbringen. Diese frische Perspektive auf das unendliche Potential solcher Spieler ist wahrlich sehenswert.

    (Video ist mit deutschen Untertiteln)

    Vor einem Jahr war sie schwer krank und musste aufgrund ihres gesundheitlichen Zustandes auf die Dinge verzichten, die unseren Alltag bilden (auf lesen, auf das Internet etc.).

    Nun könnte sie ganz pessimistisch die Tage mit Selbstmitleid verbringen.
    Jane jedoch hat das gemacht, was sie sonst immer tut: sie hat gespielt. Sie dachte sich die eigene Rolle, die Spielregeln aus,
    Sie hat ihren Zustand spielend verarbeitet - und sie hat gesiegt!

    Denn, wie sie es selbst sagt:

    Schmerzen sind unausweichlich.
    Leiden ist optionell.

    Aber schaut es Euch am Besten selbst.

    Davon können wir vieles lernen. Denn auch die Dadaisten haben die Welt spielerisch angesehen. Und sie hatten recht gehabt. Wahrscheinlich, weil beim Spielen wir eine Distanz zu uns selbst ausarbeiten - und dann sehen wir, dass alles tatsächlich nicht so schlimm ist, wie wir es uns vormachen.

  • Merzmensch, ausgestellt in Cabaret Voltaire

    In Cabaret Voltaire gibt es eine Merz-Wand. Und Merzmensch ist ab nun für immer mit dieser Wand vermerzt.

    Doch fangen wir besser so an.
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    Oben links ist eine wunderbare Fotografie unter dem Namen "Einübung ins Hundeleben". Oben rechts ist ein Plakat "Merzstadt" von Yona Friedmann, es ist ein Plakat zum Symposium Merzbau 2007 "Organic Functionalism". (Rebell.tv berichtete bereits darüber). Unten ist - was sonst? - Panorama des Merzbaus von Schwitters (Modell aus dem Sprengelmuseum, Hannover)!

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    Wie der werte Leser meines Blogs bereits weiss, war ich im Mai ein Hochzeits-Zeuge. Ein Merz-Hochzeitszeuge. Darüber werde ich noch mehr berichten (running gag, nur an werktagen geöffnet).

    Nun, um nicht mit leeren Händen zu erscheinen, wollte ich etwas substantielles und immerwährendes mitbringen. Und ich realisierte die Idee, die ich in diesem Blog bereits seit vielen Jahren verfolge. Und zwar ein Anagramm.

    Cabaret Voltaire = Realitaet vor abc

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    Ich habe diesen meinen bescheidenen Dada-Beitrag feierlich dem Cabaret Voltaire überreicht (wie der einzigartige rebell berichtete).

    Nun, bekam ich von Philipp Meier die wunderbarste Nachricht, dass ich aufgehängt wurde! (Es war ein sehr begebenwürdiger Tag, an dem ich geschlachtet werden sollte.) Und zwar auf der Merz-Wand!

    38180_1492889515995_1046737025_1361682_7276778_nPhoto by Philipp Meier.

    Nun habe ich die Ehre, mit Schwitters, Ball, Marilyn Manson und anderen sympatischen Gesellen zusammen zu hängen. Ich bin uber-glücklich. Wie ein Hut. Wie ein Hut.

  • Lügenmuseum

    Leider erfahre ich über die wichtigsten Sachen zu spät...
    Frieling berichtet über die wunderbarste Lügenstätte, die nun leider geschlossen wird...

    http://frieling.blog.de/2010/07/12/liebe-futsch-revolution-vorbei-spaghetti-kalt-8960753/

  • Cloverfield bei Pro7!

    Am Sonntag dem 18.07.2010 um 20:15 zeigt Pro7 den Cloverfield!

    Jetzt mögen Skeptiker einhacken: was soll das mit einem Mainstream Blockbuster?.. Doch die aufmerksamen Leser meines Blogs werden es schon wissen, dass hinter dem Projekt Cloverfield viel mehr steckte als einfach nur Effekthascherei.

    Denn JJ Abrams hat mit Cloverfield jede Menge Dinge revolutionalisiert: er hat die virale Campagnen zu einem Film salonfähig gemacht, er hat alle National-Stereotypen gebrochen, und vor allem: er hat eine riesige Fan-Gemeinde gesammelt, die nicht nur mit JJ Abrams-Fännchen und Merchandise herumschwanken, sondern mit Charakteren des Films kommunizierten, Rätsel lösten und sich kreativ und höchst kommunikativ verhielten.

    Hunderttausende Menschen aus ganz unterschiedlichen Regionen/Schichten/Berufsfeldern/Altersgruppen schlossen zusammen und nahmen teil an diesem grossartigen Erlebnis hinter dem Film Cloverfield.

    Der Film an sich war eine Apotheose der monatelangen Geschichte, die ich nicht mehr Marketing nennen kann, da es sich dabei um viel mehr ging, als nur um einen Film zu vermarkten.

    Ganz kurz zum Film, den man einfach sehen muss:

    New York wird schon wieder Opfer eines Angriffes. Etwas Unerklärliches, Furcheinflössendes und Riesiges wütet auf Strassen der Grossstadt. Doch diesmal sind es keine Militärs, verrückte Wissenschaftler oder Superhelden, die sich mit dem Monstrum auseinandersetzen. Wir sind es.

    Wenn es Euch interessiert, seid Ihr bei der Geschichte dieses einzigartigen Mysteriums herzlich willkommen:

    Oder, wenn Euch nur der Film interessiert, hier der Trailer, mit dem alles angefangen hat...

    P.S. Ein kleines "meh" ist nur: die deutsche Synchronisierung ist zu gekünstelt und laienhaft. Ich empfehle daher, den Film im Original zu sehen.


  • OldSpice, oder Achtung Werbung!

    Unverschämt, diese werbende Blogger!

    Es gibt ein Deo, unter dem Namen "Old Spice", jedoch das ist gar nicht das Thema dieses Textes.

    Denn hier kommt die eigentliche Werbung:

    Dieser halbnackte Protagonist beschränkt sich jedoch nicht nur auf das Werben für das obenerwähnte Deo.

    Er antwortet auf Eure Fragen.

    Da, zum Beispiel, @wawoodworth wollte ihn mal auch über die Bibliotheken ein kräftig Wörtchen sagen hören.

    Und OldSpice guy antwortete gleich:

    So antwortet er - freilich nicht auf alles - aber aktiv in fast 200 videos.

    Ich habe ihn wegen Philosophie gefragt, ob Philosophie die Welt retten wird. Mal sehen, ob er antwortet. Vielleicht doch wohl nicht...

    P.S. Schaut mal auch diese wunderbare OldSpice guy Parodie, und hier geht es auch um die Bibliothek: http://www.wimp.com/universitylibrary/

  • Sarai: Feedscape

    Es gibt viele Kunstpaläste in Frankfurt - MoMA, Schirn, Städel. Es gibt auch zahlreiche Galerien, die mit der modernen Kunst protzen. Doch es gibt eine Galerie, in der Kunst nicht als Kunst verkauft wird, sondern gemacht.

    Sie  heisst   Sarai.

    Eigentlich ist "Sarai" das russische Wort für Scheune. Doch noch eigentlicher stammt das Wort aus dem Persischen: "sarāi, sarā" bedeutet Palast. In Russland erlebte das Wort "Sarai" eine ironische Degradation Palast=>Scheune. In Frankfurt erlebte das Wort Sarai eine absolute Aufwertung: "Scheune" => Kunstpalast. Jetzt ohne pathetische Schwarzweiss-Malerei.

    Das Haus, das von der Galerie Sarai bewohnt wird, ist kleiner, als man denkt, wenn man drin ist. Da stimmt was nicht mit Dimensionen: wenn du hineinkommst, entdeckst du die Unendlichkeiten des dritten Grades:

    • die Fenster in der Wand und im Dach stehen für das Licht,
    • die Künstler im Ausstellungsraum stehen für die unendliche Energie,
    • und die Galerie-Inhaber Nat Skatchkov und seine Frau Ira Kublin und ihre 5 Kinder stehen für das Leben.

    Wenn man nun denkt, hier werde nur Kunst aus Russland präsentiert - der untertreibt gewaltig. Denn nichts in Frankfurt ist so international wie Galerie Sarai inklusive Künstler und Besucher. Die Künstler kommen von überall her, aus Japan und Bulgarien, aus Russland und Deutschland, etc etc etc.

    Und Internationalitätsgrad ist ebenso unterschiedlich, wie das Bekanntheitsgrad (neulich war beispielweise Snežana Golubović da, eine Performance-Künstlerin, die bereits mit Greenaway und Marina Abramović gearbeitet hat). Aber alle hier ausgestellten Künstler haben etwas gemeinsam: sie sind in Sarai ausgestellt. Und das gibt ihren Werken eine neue Dimension (schon wieder diese Dimension!).

    Die Atmosphäre ist total Cabaret Voltaire-esque: inspirierend, hell und irgendwie realer als die Welt da draussen.

    Nun, wo ich schon über Ausstellungsraum erzähle, was ist mit den Ausstellungen?

    Wenn Sie heute das Glück haben, Sarai zu besuchen, betreten Sie eine andere Welt (wie immer halt). Diese Welt heisst

    Feedscape

    Anton M. Savov, der Künstler aus Bulgarien, hat in Sarai einen neuen Biotop entworfen.
    In künstlichen Formen wachsen Pflanzen.

    Kaskadenartig fliesst Wasser, in einem Kreislauf aus Wasser, Luft, Erde und Licht.

     

    Und diese von Menschen unberührte Natur wird in der Wirklichkeit - doch was ist denn Wirklichkeit heutzutage? - von der künstlichen Energie behütet und gepflegt.

    Doch gerade in dieser Künstlichkeit liegt der Knackpunkt. Während wir, Menschen, normalerweise mit allen unseren Bemühungen dabei sind, die Natur in die Kanalisation runterzuspülen, hier wird die Natur generiert.

    Künstlichkeit wird Kunst - und vice versa.
    Indoor wird Outdoor - und vice versa

    Die Naturgesetze werden zwar ausser Acht gelassen. So schwebt zum Beispiel ein Blumentopf im Raum.

    Doch diese Antigravitation oszilliert zwischen der unerträglichen Leichtigkeit des Seins und der Erkenntnis, dass nichts unmöglich ist, ausser wir glauben (nicht) daran. Oder, wie Blixa Bargeld mal sagte:

    Was ist ist
    Was nicht ist ist möglich
    Nur was nicht ist ist möglich

    Und wenn jemand herumkritisiert:

    - Was hat denn diese ganze manieristische Naturinszimmerhineinbringerei mit unserem hart erkämpften Leben zu tun?!

    Dann sage ich: es geht um uns, es geht um jetzt, es geht um das Kunftige, es geht um das Geistige, und es geht ums Prosaische. Und alles ist verbunden durch die einprogrammierte Zufälligkeit und unumgängliche Abhängigkeit des Menschen von der Natur.

    "feed" als Eingabe,
    "feed" als Futter.
    "feed" als Vernetzung

    Denn während wir die Umweltschützer als Spinner abwinken, werden wir schon bald einiges auf unserem Planeten vermissen. Tja, die Menschen sind so gebaut, dass wir nur eines Tages merken, dass unser Planet uns kein Essen mehr gibt, dann werden wir aufschreien.

    Anton Savov wird aber weitermachen. Als ein meta Natur-Schützer. Jenseits des Politischen und Pathetischen.

    Die Ausstellung ist bis zum 23. Juli 8. August (Verlängerung!) geöffnet.
    Die Adresse: Platform SARAI, Schweizer Str. 23 HH, 60594 Frankfurt am Main
    Es gibt auch eine Webseite: http://nichewo.net/`*

    __________________________________

    *) auch schön: nichewo heisst "nichts" im Russischen, und "net" - "nein/es gibt nicht", also: "es gibt [hier] nichts", Ceci n'est pas une homepage.

    Mehr Fotos finden Sie auch hier: http://www.flickr.com/photos/vladix/tags/feedscape/


  • Republik Kugelmugel

    Ungefähr 8 Meter Durchmesser ist sie,
    die Republik Kugelmugel.

    Irgendwo in Wien, am "2, Antifaschusmusplatz" ist diese Republik zu finden.800px-Kugelmugel_03_

    Edwin Lipburger errichtete dieses Kugelhaus bei Wiener Neustadt. Nachdem die Machtinhaber des Bezirks alles unternommen haben, um diese unartige und gar eklatante Sache wegrollen zu lassen, erkärte Edwin Lipburger das Haus zu einer autonomen Republik. Mit allem drum und dran. Und natürlich mit der eigenen Webseite:

    http://www.republik-kugelmugel.com/

    Auf dieser Webseite schreibt Mag. Edwing Lipburger-Kugelmugel über das Haus u.a.:

    Das Kugelatelier "Kugelmugel" ist ein rundes Werk der Baukunst und hat eine unvergleichlich größere Bedeutung, als das Haus von jedem anderen.

    Nachdem er sogar ohne Genehmigung Ortstafeln überall aufstellte, musste er für zehn Wochen ins Gefängnis. Jeder Freiheitskämpfer war mal im Gefängnis. (Alle Angaben ohne Gewehr).

    Mittlerweile (laut wiki) gibt es bereits um die 611 Staatsbürger der Republik Kugelmugel.
    Ich denke auch bereits daran.

    Aber zuerst werde ich mal Staatsbürger der Demokratischen Republik of TamTam.

    P.S. Für die Liebhaber der Einbürgerungsroutinen empfehle ich folgende Übersicht an Mikronationen
    http://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Mikronation
    P.P.S. Die Englische Liste ist noch größer:
    http://en.wikipedia.org/wiki/Category:Micronations

  • Der Anfang der Fotomontage

    Raoul Hausmann und Hannah Höch waren eines Sommers privat am Baltischen Meer, als es passierte.

    Ich meine, ES: Der Anfang der Fotomontage! (Was haben Sie denn gedacht?..)

    Gut, natürlich, gab es Fotomontage auch vor ihnen, die Futuristen haben's getan, und Kubisten, und Picasso, und Braque...

    Doch als Hausmann mit Hannah Höch auf der Insel Usedom künstlerisch und privat unterwegs waren, fanden sie fast in jeder Fischerstube etwas äusserst seltsames, was Hausmann als eine Art Blitz getroffen haben soll.

    Die Fischersöhne, die Wehrdienst leisteten, hatten eine personifizierte Memorabilia (wieso gibt es eigentlich kein Singular für Memorabilien?!) aus dem Dienst mitgebracht.

    Fotomontage

    Source: http://www.all-art.org/art_20th_century/hoch1.html

    Offensichtlich war zunächst ein mal ein Muster mit stehenden Soldaten in verschiedenen Uniformen gefertigt. Anschliessend hatte der Photoshopgraph einfach die Köpfe der Modelle durch den Kopf des Fischersohnes vielfach ersetzt - geklont, wenn Sie möchten.

    Diese Photographien - nein, eigentlich waren es Öldrücke - hingen in jedem Haus mit dem einzigen Unterschied - dem jeweilig anderen Gesicht. Diese "kitschige Naivität" (Höch), dieses Simulacrum des Historischen, dieses Serienpathos hat Hausmann zutiefst beeindruckt, und Hannah Höch nahm ein Bildnis mit (s. oben) und unterschrieb es

    Der Anfang der Fotomontage

    Leider habe ich hier kein besseres Bild davon, aber für diejenigen, die das interessiert: auf den Säulen steht folgendes.

    Links: "Einigkeit macht stark"
    Rechts: "Mit Gott für König und Vaterland"
    Unten: "Zur Erinnerung an meine Dienstzeit"
    Oben: "Es lebe hoch das deutsche Heer / Des Vaterlandes Schutz und Wehr"

    Bezeichnenderweise hat der brave und unbehütete Soldat links ein Bierglas neben sich stehen. Heroisch!

    So hat's angefangen, und in Berlin blühte bald darauf Fotomontage als eine Lieblingswaffe des Berliner Dadaisten.


  • Neues von JC Hutchins

    Der Maître der transmedialen Literatur, JC Hutchins, hat sich wieder zu Wort gemeldet.

    In seinem Blog berichtet er über sein neues Werk, das nächste Woche bereits da ist.

    Er verrät nicht, was es ist. Er verrät aber, was es nicht ist:

    • Es ist kein Roman/Erzählung
    • Es ist kein Podcast (sein frühes Podcast "The 7th Son" ist ursprunglich als Podcast und dann als ein Buch erschienen. Der Film ist in Vorbereitung)
    • Es wird nicht zu kaufen sein (= es ist gratis)
    • Es wird nicht als ein konventionelles Medium verfügbar sein (sic!)
    Es wird also etwas frisches und wahrscheinlich wieder transmediales sein.
    Und es wird schlicht und einfach über das Ende der Welt handeln.

    Nächste Woche also.

  • Mein Senf dazu.

    Am 19. Juli ab 22.45 empfehle ich Euch, liebe Freunde, bei arte einzuschalten.
    Dort läuft nämlich das Themenabend "Web 2.0 - Die digitale Bombe".arte-digbo

    Bereits im Vorfeld zu diesem Abend wurden mehrere Sprachröhre der oder einer anderen Zielgruppe interviewiert, wie beispielweise Andrew Keen, der Große Medienpessimist, sowie David Rowan, Chef-Redakteur der UK-Ausgabe von "Wired". (Komplett vorhanden hier)

    Auch wenn Rowans Optimismus bezüglich der neuen Medien ab und zu zum pessimistischen überschwappt - bleibt er Optimist.
    Das stimmt schon:

    • freie Meinungsäusserung verleiht Flügel zum öffentlichen Vandalismus
    • Mob-Mentalität kann dazu führen, dass diese Meinungsfreiheit zweckentfremdet für irgendwelche niederen Instinkte der Personen führen kann, die es öffentlich zu wenig Mumm haben auszusprechen, anonym aber sind sie gut gewappnet
    • auch Datenschutzprobleme können zu einem Verhängnis werden in der kontrollierten Gesellschaft

    Doch bleibt er trotzdem Optimist, im Gegensatz zum Medientraditionalist Keen.

    Andrew Keen hat nichts verstanden - das möchte ich mal behaupten, auch wenn er - und nicht ich - ein kritisches Buch über Web 2.0 geschrieben hat.

    Denn er sieht Web 2.0 als etwas bösartiges - wo es doch nur ein Werkzeug, ein technisches Mittel ist. Was ist eigentlich Web 2.0? Es ist kein pars pro toto für den Untergang der Gesellschaft, es ist auch kein Metapher für geistige Verarmung.

    Web 2.0 sind Werkzeuge, die von Menschen für Menschen zur Verfügung gestellt sind. Mit Hammer und Nagel kannst Du ein Bild aufhängen, oder Menschen foltern - es liegt an Dir, wofür Du dich entscheidest.

    Die kreative Werkzeuge sind wertneutral.

    Doch Mr. Keen sieht folgende Anzeichen der medialen Apokalypse:

    Web 2.0 ist ein "Todesurteil für die traditionellen Medien".

    Stimmt schon, die traditionellen Medien werden schon längst verdrängt. Doch ob es an der Bösartigkeit des Web 2.0 liegt? Oder vielleicht eher daran, dass traditionelle Medien meine persönlichen kulturellen Bedürfnisse nicht befriedigen können?
    In den traditionellen Medien herrscht die Quote und Mainstream über dem Content. Keine Experimente, keine Abweichungen. Kampf ums Überleben (zu Kosten des Überlebens). Verblendung. Stereotypisierung.
    In Web 2.0 kann ich mir die Inhalte selbst zusammenstellen. Möchte ich keine Klischees? Suche ich nach dem passenden Channel.

    "Gleichzeitig gewinnen die vom Mob beherrschten Amateurmedien im Internet an Bedeutung."

    Mit der Arroganz desselbigen Andrew Keen antwortend: Mob rezipiert Mob. Da es aber eine grosse Auswahl an Inhalten gibt, wird Mob von mir beispielweise ignoriert. Und zur Meinungsbildung durch Mob wird es nicht kommen, da es so viele Kontroversen und Oppositionen zu diesem Mob im Netz existieren. Es werden sicherlich Lager gebildet, aber nicht die Meinung.

    Die traditionelle Medien bilden jedoch durchaus Meinung - ob ich damit einverstanden bin oder nicht. Die hatten schon immer diesen autoritären Schatten auf die Gesellschaft geworfen.

    Problem mit der Bezahlung

    Darum geht es eigentlich. Das ist das eigentliche. Doch: wenn mich traditionelle Medien überzeugen, bezahle ich dafür. Und nur in dem Fall. Ja, ich kaufe die Zeitschriften oder Zeitungen, die mich interessieren, ich, der Web 2.0 Bewohner. Was mich nicht interessiert, ignoriere ich.

    Denn die alten Medien aus dem Schlaraffenland, vom einstigen Monopol verwöhnt, denken gar nicht an die Rezipienten. Und das ist deren eigentliche Grund für den Untergang.

    Das Publikum ist sensitiv. Wenn es Verlogeheit spürt, sucht es einfach weiter.

    Wenn die Medien untergehen, dann tun sie nur wegen der eigenen Trägheit, Experimentierfeindlichkeit und Quotenwahn. Die anderen Medien bleiben erhalten. Weil sie an das Publikum denken. Mal schauen, was übrig bleibt.

  • Бowリング


    the life is like
    the bowling lane:
    whether you strike
    or spare or fail -
    you just enjoy
    the rolling pain -
    and nothing more
    beneath your nail

    僕のレーンは
    運命である。
    僕はプレーヤー、
    人生は丸
    いボール。
    でも、
    そう言えば、
    スペアか?ストライクか?
    ボールが止まらないように
    生きて行く。

    Снял я голову свою,
    Руку распрямил,
    И что было сил,
    В кегли за-пу-стил.
    Но глаза закрыл:
    Мне ведь все равно,
    Страйк был или спэа.
    Мне ведь все равно.
    Мне ведь все равно.
    Мне ведь все уже до лампочки.

    Ich habe früher nie getroffen
    Die weißen Dinge in der Ferne,
    Ich musste stets vom Herzen hoffen,
    Dass ich es irgendwann noch lerne.
    Doch eines Tages Offenbarung
    War niederschmetternd wie ein Blitz,
    Und meine sämtliche Behaarung
    Bewegte sich mit Aberwitz:

    "Es ist egal, ob Du getroffen,
    ob Du verfehlt. Sei doch nicht feig'.
    Und spiele ziellos, einfach, offen!"

    Seitdem ich werfe nur mit Strike.
    ________________________________________
    Original: http://merzerature.blogspot.com/2010/04/ow.html

    Zur Erklärung (wusste ich ja auch früher nicht):
    Strike heisst in Bowling, wenn alle Kegeln mit einem Ballwurf fallen
    Spare - wenn man nur vom zweiten Mall es schafft, die Kegeln zum fallen zu bringen

  • Hauschka

    Podcasts zu hören bringt manchmal Wunder. Zum Beispiel, Podcast "New Sounds" von WNYC. In der Ausgabe #3049 geht es um den deutschen Komponist Hauschka (aka Volker Bertelmann). http://beta.wnyc.org/shows/newsounds/2010/mar/12/

    Hauschka ist ein Pseudonym. Doch für mich persönlich klingt es sehr bezeichnend.
    Denn nach dem brutalen Stamm hau- folgt Deminutivsuffix aus dem Russichen -schka. Hauchen. Seine Musik haut mit seiner Fragilität um.

    Er präpariert Klaviere auf seltsame Art und Weise, und dann klingt alles plötzlich ganz anders. Hier, zum Beispiel, sein Live-Konzert in Tokyo:

    Die Musik greift deine am weitesten entfernte Erinnerungen und alles mögliche, so dass du am Ende nur da sitzt und nickst, im Sinne von: "ja..." oder "genau so!".

    Aber die Verbindung mit dem Visuellen macht das ganze noch reicher.

    Hier zum Beispiel, das geniale Video (Jeff Desom) zur genialen Musik (Hauschka). (Am Besten im Vollbild geniessen).

    Morgenrot

    Hauschka - Morgenrot from Jeff Desom on Vimeo.

    Und hier ist noch was geniales brutales etwas blutiges aber umhauendes. Hauschka haut um. Sanft und mild.

    Bloksky
    (Film: Jeff Desom), Hauptdarsteller: Hauschka selbst.
    Ebenso Vollbild unumgänglich.

    Gute Nacht.

  • Mein Gastauftritt bei Trithemius

    Trithemius

    Ich habe die Ehre mitzuteilen.

    Ich hatte nämlich die Ehre, bei wunderbarem Trithemius in seinem Teppichhaus die Ehre zu haben als Gastautor ausgestellt sein zu werden, oder werden zu sein - je nach dem.

    Vielen Dank an Trithemius - gerne wieder! :-)

    http://trithemius.twoday.net/stories/dada-20-merzmensch-liest-gastautoren-3/

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