...bezüglich der drohenden Schliessung des Dadahauses (ursprunglich als Kommentar bei rebell.tv)
Ich merke langsam, dieses Argument der Institutionalisierungsfeindlichkeit der Dadaisten, und das daraus folgende naiv-schadenfrohe "na dann müssen die doch auf den eignen Prinzipien untergehen" wird populär unter den Ablehnern des Dada-Hauses.
Das erinnert mich an die Aussage der SVP-ler, Dada sei Produkt des Ersten Weltkrieges, sonst nichts. Wie man sieht, man hat nichts von der Kulturgeschichte gelernt, und man möchte auch nicht darüber diskutieren. Man hat vergessen, dass in diesem Haus die Weltweite Moderne sozusagen geboren wurde.
Warum schliesst man denn nicht das Frankfurter Haus, wo Goethe geboren wurde? Spielt doch keine Rolle, denn er hat's weder gebaut, noch umfunktioniert, nur lediglich geboren. Weil es eine Signifikanz hat. Und wenn das Haus, in dem Goethe lediglich seine Kindheit verbrachte, eine historisch-kulturelle Signifikanz trägt, was ist mit Cabaret Voltaire, das nicht nur eine Geburtstätte der (Post)Moderne ist, sondern die Ideen der Dadaisten bis heute verwirklicht?
Die Schliessung des Dada-Hauses würde bedeuten, man negiere die eigene Kulturgeschichte, man verwerfe die Moderne, man vernichte die Postmoderne und lande lediglich beim mediokren Gewöhnlichen.

